Die Gäste am Mittwochabend waren die christliche Musikerin Judy Bailey, der Blindenfußballtrainer Peter Gössmann, Weihbischof Johannes Kapp, Sarah Schlimme vom Sozialdienst katholischer Frauen und hr-Fernsehmoderator Meinhard Schmidt-Degenhard. Sie kamen mit ihren vielseitigen und interessanten Lebensgeschichten zu Wort und sprachen Jung und Alt sowie Kirchenferne wie Kirchennahe an. So plauderte Schmidt-Degenhard über seine Sendung "Horizonte", die bereits seit 37 Jahren im Hessischen Rundfunk läuft. Dabei stellte er im Gespräch mit seinen Gästen fest: "Religion wird immer wichtiger", denn ohne zu wissen, was die Menschen von der Religion halten, können wir den Planeten nicht mehr verstehen. So wurden in seiner Sendung Themen besprochen, die oftmals auch provokant waren und nicht immer allgemein verträglich. Umso mehr sei er nach so vielen Jahren immer noch mit vollem Herzblut dabei. Auf die Frage "Was glauben die Hessen" antwortete der Moderator: "Was sie glauben, bestimmen sie selbst. Die Menschen sind autonom und setzen sich den Sinn des Lebens selbst."
Besonders ergreifend war gestern Abend, was Weihbischof em. Johannes Kapp zu erzählen hatte. Er wurde bereits in seiner Kindheit religiös geprägt. Als kleiner Junge wollte ihn sein Lehrer zwingen zur "Napola" zu gehen, was für seinen Vater jedoch nicht in Frage kam. Durch einen Pfarrer in Hofgeismar schaffte es der Vater, den Jungen nach Fulda zu bringen, um dort abzutauchen. Es schien also, als sei der junge Johannes vor den Nazis sicher. Im Herbst 1944 musste er dort jedoch die schrecklichste Zeit seines Lebens durchstehen. Im Café Ideal hielten scheinbar alle 100 Gäste die Luft an, als Weihbischof Kapp sich genau erinnerte: "Es war am 11. September um elf Uhr und wir spielten gerade im Lehrerzimmer "Stadt, Land Fluss", als ich eingeteilt wurde, Brandwache zu halten, falls Bomben abgeworfen werden. Als der Alarm los ging, rannten wir alle in den Keller und dann begann ein furchtbares Theater um uns herum. Als es vorbei war, sahen wir, dass eine Bombe direkt über dem Keller eingeschlagen war, indem unsere jüngsten Mitschüler waren. Wir haben sie versucht zu retten, doch 23 Mitschüler waren schon tot. Ich habe damals schreckliches Leid gesehen und ich war 15 Jahre alt."
Diese bewegende Geschichte rührte immens und zeigte wieder einmal, was den "Talk am Dom" so besonders macht: Die Gäste dürfen ganz nah dran sein an Menschen, die vieles erlebt haben und darüber sprechen. Wer die komplette Gesprächsrunde mitverfolgen möchte, kann diese am Freitagabend, den 30.03.2012 um 20:00 Uhr im Offenen Kanal Fulda sehen. In der Woche danach werden die einzelnen Gesprächsteile wiederholend zu sehen sein. Die rund zweistündige Talkrunde findet zweimal im Jahr statt und wird das nächste Mal am 12. September 2012 veranstaltet. Kommen kann dann wieder jeder, der Lust hat, der Eintritt ist frei. Mehr Infos gibt es unter www.talk-am-dom.de.